Ein Film von Katharina Obens, Tanja Seider, Kirsten Wagenschein und Mireia Guzmán

Der Dokumentarfilm „PER LA VITA“ (Für das Leben) schildert die einzigartige musikalische Kollaboration zweier Bands unterschiedlicher Herkunft und Generationen sowie verschiedener musikalischer Traditionen.

Die deutsch-türkisch-italienischen Rapper Rossi Pennino und Kutlu Yurtseven von der „Microphone Mafia“ nehmen mit der Familienband „Coincidence“ von Esther Bejarano und ihren Kindern Edna und Joram das HipHop-Album „Per la Vita“ auf. Esther Bejarano ist heute 85 Jahre alt, wurde im Nationalsozialismus als Jüdin verfolgt und überlebte Dank ihres musikalischen Talents als Mitglied des Mädchenorchesters im KZ Auschwitz-Birkenau. Die musikalische Zusammenarbeit richtet sich gegen den Versuch einer rechten Unterwanderung der Jugendkultur – wie dies von Seiten der rechtsextremen NPD und deren „Kampf um die Köpfe“-Strategie angestrebt wird, indem sie CD-Sampler mit rechtsextremen Songs an Schulen verteilten.

Auch wenn sich die Bands in der Sache einig sind, gibt es doch auch Konflikte. Esther Bejarano ist die Musik „zu laut“, Rossi Pennino und Kutlu Yurtseven fragen sich bei Kaffee und Kuchen, wo denn ihre Jugend mit coolen Backstage-Locations geblieben ist. Kutlu Yurtseven und Rossi Pennino, deren Eltern als Arbeitsmigranten aus der Türkei und aus Italien nach Deutschland kamen, ringen um ihren Begriff von Heimat („die Türkei ist meine Heimat, Köln-Flittard ist mein Zuhause“), während Esther Bejarano mit dem Begriff überhaupt nichts anzufangen weiß und sich da zuhause fühlt, wo sie etwas bewirken kann.

Die Kamera verfolgt die Zusammenarbeit der Bands über fast zwei Jahre, begleitet sie bei ihren Aufnahmen im Tonstudio und ihren Konzertourneen, fängt die Atmosphäre auf der Bühne und im Backstage ein. Die Zuschauer lernen die Musiker/innen zuhause kennen, wenn sie über ihr Leben und die Verbindung zur Musik erzählen. Dabei ist der Dokumentarfilm mehr als ein „Making of“, er zeigt vielmehr eindrucksvoll wie Musik als Mittel zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit genutzt werden kann.

BRD 2010, 60 Min., Farbe, 16:9, HDV
Regie: Katharina Obens/Tanja Seider
Produktion: Katharina Obens /Auschwitz-Komitee in der BRD e.V. und Kontrastfilm
Kamera: Mireia Guzmán
Schnitt und 2. Regie: Kirsten Wagenschein

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